Neymar-Transfer – Wohin führt der Weg im Fußball?

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Neymar-Transfer – Wohin führt der Weg im Fußball?

Mittlerweile werden es alle mitbekommen haben: Im Fußball gibt es einen neuen Rekordtransfer. Neymar wechselte für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris St. Germain. Eine unvorstellbare Summe, weshalb immer wieder Vergleiche angestellt wurden, um diese Summe greifbarer zu machen. Zum Beispiel kann man für 222 Millionen Euro 24,4 Millionen Kästen Hansa-Pils kaufen, nach dem Austrinken würde man noch 75,7 Millionen Euro Pfand zurückbekommen. Oder auch ein schockierendes Beispiel: Für 222 Millionen, könnte man 5.276.919 Kinder ein Jahr lang ernähren. Das klingt alles sehr pervers, doch ist man überhaupt noch überrascht?

Mittlerweile Normalität

Mir ist wirklich völlig egal, ob der 220 Millionen kostet oder 440 Millionen. Wirklich! Das können Sie mir glauben. Ganz ehrlich: Es löst bei mir nichts mehr aus. Ich kann keine Unterscheidung mehr finden zwischen 220 und 440 Millionen. Es übersteigt meine Fähigkeit, das einzuordnen.” So kommentierte Christian Streich, Trainer des SC Freiburg, auf einer Pressekonferenz den Neymar-Transfer. Ehrlicherweise muss man sagen, dass Summen von 222 Millionen (noch) kein Alltag sind. Und doch trifft der Satz „Es löst bei mir nichts mehr aus“ auch auf mich zu. Und das ist für mich das, was mich selber am meisten schockiert: Ich rege mich gar nicht mehr auf, ich nehme solche Transfers achselzuckend hin. Es ist mittlerweile normal, dass es in jeder Transferperiode Transfers von 70 Millionen Euro gibt und es werden bald auch 100 Millionen normal sein.

Entfremdung vom Spitzenfußball

Der Fußball hat längst eine Entwicklung eingeschlagen, die mir und vielen anderen nicht mehr passt. Das ist nicht erst seit gestern so. In der jetzigen Zeit sind die Entwicklungen aber so rasant, dass man kaum noch hinterherkommt. Keine Frage: Für den Spitzenfußball an sich sind solche Summen von Vorteil. Dem eigentlichen Spiel schaden solche Summen nämlich nicht. Der Fußball wurde in der Vergangenheit schneller und ansehnlicher, dadurch wuchs auch das Interesse. Doch durch die rasanten Entwicklungen in der Spitze werden die Lücken zu anderen Mannschaften größer. Und, was noch viel schlimmer ist: Wo viel Geld fließt, wächst auch die Gier und die Kriminalität. Allen voran der korrupte Fußball-Weltverband FIFA, bei dem etliche Funktionäre wegen verschiedenen Delikten in der Kritik stehen. WM-Vergaben laufen nicht sauber ab, auch die WM-Vergabe nach Deutschland war nicht sauber.

Wo wir beim nächsten Verband wären: Dem DFB. Ein Beckenbauer, für den das Sprichwort „Was man nicht im Kopf hat muss man in den Beinen haben“ erfunden worden ist, sieht in Katar keine Sklaven, weil alle frei herumlaufen, die bereits angesprochene Weltmeisterschaft in Deutschland wurde nicht sauber nach Deutschland geholt. Für die 50+1-Regel werden immer neue Ausnahmeregelungen geschaffen, weshalb sie bei Hannover 96 jetzt gerade aktuell gefallen ist und Fangruppen dort in den Boykott gehen.

Intransparenter und krimineller

Alles wird irgendwie intransparenter und krimineller. „So sind nicht bloß die drei Großen des spanischen Fußballs – Messi, Ronaldo und eben Neymar – des Steuerbetrugs verdächtig. Viele Kauf- und Leihgeschäfte stinken zum Himmel. Bereits vor Monaten haben internationale Medien enthüllt, wie Finanzämter weltweit systematisch umgangen werden.“  Schreibt die Berliner Zeitung. In die Entwicklung passt auch, dass mit Katar ein Land in diesen Transfer direkt involviert ist, dem Menschenrechte völlig egal sind.

Und diese Aufzählung war nur ein Teil von Dingen, die schieflaufen, und weshalb der Spitzensport für mich klar an Attraktivität verloren hat. Während sich Funktionäre in der Presse also über Fußballfans in den Kurven auskotzen und die Vereine für Pyrotechnik, beleidigende Gesänge und Spruchbänder bestrafen, werden Deals mit Ländern wie Katar gemacht, Steuern hinterzogen und der Fußball langfristig vor die Wand gefahren. Was schlimmer ist, kann jeder für sich selber entscheiden. Hier verhält es sich ähnlich wie man es in der Folge der G20-Proteste beobachten konnte: Menschen, die Flüchtlinge abschieben, mitverantwortlich sind, dass Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen und Menschen, die Deutschland zum drittgrößten Waffenexporteur der Welt gemacht haben, empören sich in den Medien über Menschen, die Autos angezündet haben. Klingt weit hergeholt, ist vom Prinzip her aber das Gleiche.

Wer stoppt den Wahnsinn?

Abgesehen davon ist es trotzdem Zeit, diesem Treiben durch strengere Regeln ein Ende zu bereiten. Der Wechsel eines Fußballers von einem Verein zum anderen für 222 Millionen Euro ist weit mehr als eine Angelegenheit der drei direkt Beteiligten. Er ist eine Perversität auf Kosten aller.“ Erneut ein Zitat aus einem Artikel der Berliner Zeitung. Doch wie können strengere Regeln aussehen? Und würden sie etwas bewirken? Schwierig zu sagen. Das Financial Fair Play, welches besagt, dass Vereine nicht mehr Geld ausgeben dürfen als sie einnehmen, bringt anscheinend kaum etwas.

Eine Transferobergrenze scheint kaum realistisch und würde auch nicht viel verhindern. Gehaltsobergrenzen, die es zu einer Zeit gab, als dem DFB die zunehmende Kommerzialisierung noch ein Dorn im Auge war, wurden auch ziemlich einfach umgangen, indem den Spielern einfach Handgelder ausgezahlt wurden. Ich persönlich bin ratlos, aber ich glaube, dass es gar kein Interesse gibt diese Summen einzudämmen. Und es wird wohl auch keine realistische Möglichkeit geben.

Also wird es so weitergehen wie bisher, und ich bin froh, dass ich Fan von Preußen Münster bin, einem Verein, der noch nicht durchgetaktet ist wie ein Unternehmen und sich mit seinem Status als eingetragener Verein von anderen absetzt.

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4 Responses

  1. AliceD sagt:

    Ein netter Artikel. Aber wohin führt der Fußball denn jetzt? Das wird aus dem Artikel nicht ersichtlich. Es wird mehr Geld ausgegeben? Die FIFA ist korrupt? Das sind alles Dinge, die nicht die Frage nach dem Weg des Fußballs beantworten. Auch der Vergleich mit dem G20 Gipfel hinkt meiner Ansicht nach.
    Was aber eklatant wichtig für mich ist, ist dass der Autor völlig außer Acht lässt wer überhaupt dafür verantwortlich ist und wie das funktioniert, dass solche Summen bezahlt werden können.
    Offensichtlich sind für ihn “die da oben” schuld, also FIFA, UEFA, DFB. Aber auch diese Verbände kriegen ihre Gelder, die sie dann an die Vereine verteilen durch Unternehmen und auch durch uns Fans. Jeder, der sich FIFA von EA holt oder PES oder ein Sky Abo besitzt usw. trägt dazu bei, dass solche Summen bald zur Tagesordnung gehören werden. Denn die Medienverträge sind es, die das Geld an die Vereine bringen. Dazu kommt noch die Dauerberieselung mit Werbung und dergleichen.

    Aber auch hier hält der Neymar Transfer eine Besonderheit. Dieser wurde natürlich durch Katar und nicht durch den Verein selbst finanziert. Diese Transferdeal hat aber drei Dimensionen und hebt sich dadurch von den 100 Millionen Transfers eines Pogba ab.

    1. Dimension: Sportlich. Natürlich wollen die Besitzer von Paris SG das bestmöglichste sportliche Ergebnis erzielen. Da die französische Liga recht unattraktiv ist muss dies zwangsläufig über die Champions League geschehen und dafür braucht man die weltbesten Spieler.

    2. Dimension: Ökonomisch. Erklärt sich von selbst. Durch Trikotverkäufe, Werbung und Eintrittskarten soll noch etwas mehr Geld eingenommen werden. Auch wenn diese Verkäufe niemals die Summe für Neymar decken wird. Beläuft sich diese inkl. Steuern, Prämien, Gehalt und dergleichen auf ca. 700 Millionen Euro.

    3. Dimension: Politische. Dies ist eigentlich die wichtigste Dimension. Katar ist außenpolitische isoliert. Menschenrechtsverletzungen und die offenkundige Sympathie für den IS sowie die gekaufte WM schaden dem Ansehen des Landes. Also holt man sich einen relativ beliebten Spieler und macht ihn zum Botschafter der WM. Dadurch erhofft man sich ein besseres Ansehen in der Welt und bei den Fans. “Hey, wenn Neymar das so toll da findet, kann das ja nicht so schlecht sein.” Und gute PR kann Katar im Moment mehr als gut gebrauchen. Was diese Dimension für mich am wichtigsten Wirken lässt.

    Werden also demnächst solche Transfers an der Tagesordnung sein? Man weiß es nicht genau. Aber so lange die Menschen das Produkt Fußball weiter so konsumieren, wie sie es derzeit tun, kann der Fußball nur noch teurer werden. Also jeder der sich gegen solche Summen ausspricht muss zuallererst sein eigenes Verhalten hinterfragen und die Frage klären ob man nicht selbst dazu beiträgt, dass sich die Vereine solch ein Verhalten überhaupt leisten können. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass der Autor etwas mehr über die Hintergründe und die Vorgänge geschrieben hätte anstatt auf “die da oben” zu schimpfen. Denn eigentlich ist die Rechnung ganz einfach: Kein Sky –> Weniger Medienverträge –> Weniger Geld für die Verbände und Vereine –> Weniger Möglichkeiten solche Transfers zu bezahlen.

    Und wir als Drittliga Mannschaft haben von den großen Medienveträgen sowieso kaum etwas von.

  2. Sven sagt:

    Sehr schöner Kommentar. Danke dafür. Aber so einfach ist die Rechnung dann auch nicht… denn wenn die Premier League fordert und die Sender bereit sind drauf zu legen und zu zahlen, dann sind auch die großen Medien sehr stark mitverantwortlich, wenn derartige Summen in den Umlauf gebracht werden. Es ist schon eine sehr komplexe Materie und meiner Meinung nach gehören die Konsumenten, Fans, Sponsoren etc. auch dazu…. es spitzt sich an allen Fronten zu…. mehr mehr mehr und noch mehr und irgendeiner hat irgendwo das Geld, auch diese Summen dann zu bezahlen.

    Schafft man Regeln, werden andere Leute versuchen, diese zu umgehen…

  3. AliceD sagt:

    Natürlich sind auch die großen Medien mitverantwortlich. Aber von wem kommt denn das Geld, dass es sich die Medienhäuser leisten können so viel Geld auszugeben? Oder von Computerspielfirmen, damit die sich die Lizenzen kaufen? Gäbe es da keine Abnehmer für, könnten die Medienhäuser auch nicht so viel Geld einnehmen und dadurch auch nicht so viel dafür bezahlen. Da könnte die Premier League so viel fordern wie sie möchte, wenn kein Geld da ist, kann man den Forderungen nicht entsprechen. Natürlich stehen da Sponsoren usw. auch in der Verantwortung. Aber alles fängt beim einfachen Fan an, der seine Mannschaft auch gerne am Wochenende Live sehen möchte, aber nicht ins Stadion will.
    Das liegt aber auch einfach an der Strahlkraft und der Popularität von Fußball an sich. Aber ich fürchte, dass sich diese Wirtschaftsspirale nicht umkehren lässt und die Vereine haben nur noch die Möglichkeit mitzuschwimmen oder unterzugehen.

    Der einfache Fußball, wie die meisten ihn mögen, gespielt aus sportlichen Ehrgeiz, existiert nur noch ganz weit unten in der Ligahierarchie.

    Ich wollte aber auch hier keine riesige Grundsatzdiskussion lostreten, sondern einfach nur mal anmerken, dass es nicht immer “die da oben” (FIFA, UEFA, Katar) sind, die dafür verantwortlich sind sondern das Gesamtpaket und damit auch ganz besonders die Fans. Und die Vereine schwimmen lediglich mit, weil es sonst keine andere Möglichkeit gibt mitzuhalten. Wenn einer vorprescht müssen alle anderen nachziehen um nicht ins Hintertreffen zu gelangen.

  4. Jan sagt:

    Besser hätte ich es nicht formulieren können. Super Kommentar,der alles auf den Punkt bringt.

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