Preußen desolat in Wiesbaden

2017/2018 - Spielbericht SC Preußen Münster - SV Werder Bremen II - 0:1
Benno Möhlmann

Auswärtsspiel in Wiesbaden auf einem Sonntag. Dass das keine leichte Aufgabe werden würde, war im Vorfeld klar, schließlich spielen die Wiesbadener in dieser Saison oben mit und die Preußen gegen den Abstieg. Was die mitgereisten Anhänger aus Münster dann aber zu sehen bekamen, war eine „Leistung“, die durch nichts zu entschuldigen ist.

Für alle Auswärtsfahrer des SCP begann der Sonntag sehr früh. Ein guter Haufen Zugfahrer machte sich auf, um über die schönste Zugstrecke Deutschlands am Rhein entlang den Spielort zu erreichen, an welchem die Preußen auf Wehen Wiesbaden treffen sollten. Etwas später in der Früh machten sich ebenfalls zwei Fanbusse und Autos mit Preußen-Fans beladen auf den Weg. Bei mir überwiegte zumindest bezüglich der kämpferischen Leistung unserer Mannschaft vor Spielbeginn noch der Optimismus. Klar, hier muss man nicht unbedingt mit einem Sieg rechnen, aber wenn sich alle Spieler gut reinhängen in die Partie ist ja vielleicht was drin, dachte ich.

Auch kurz vor dem Spiel war ich noch gut gelaunt, konnte man doch den Gästeblock zufriedenstellend betrachten, da er recht gut gefüllt war. Doch bereits während des ersten Liedes, dass der Gästeblock zur Anfeuerung der Mannschaft Richtung Spielfeld schmetterte, fiel das 1:0 für Wiesbaden. Puh, beschissener Start, dummer Fehler in der Abwehr, aber es war noch viel Zeit. Doch es wurde nicht besser. Es ist mir jetzt auch zu doof, hier nach dem bekannten Muster die Tore aufzuzählen und zu beschreiben, wie diese gefallen sind. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, was ich dazu schreiben soll. Kein Spieler erreichte auch nur annähernd Normalform. Das Spiel war nach 26 Minuten bereits entschieden. Viel mehr Worte kann und will ich auch gar nicht zu dem Treiben auf dem Platz schreiben. Viel interessanter war da das Treiben auf den Rängen.

Wir sind der Verein!

Wiesbadens Blechhütte ist gemeinhin kein attraktives Stadion, was in irgendeiner Form Charme versprüht. Immerhin ist die Akustik recht gut. Es hätte auf den Rängen richtig gut werden können, wenn es auf dem Platz nicht so unfassbar schlecht gelaufen wäre. Nach dem die ersten Minuten noch wie gewohnt konstant laut waren, wusste man nach dem 0:3 nicht so richtig, wie es weitergehen soll. Aber, um das Vorweg zu nehmen: Bis auf eine kurze Phase direkt nach der Halbzeit wurde durchgehend gesungen. Von „normalem“ Support in den ersten Minuten, über Wachrüttler wie „Wir wollen euch kämpfen sehen“ bis hin zu Selbstfeierei und Galgenhumor war eigentlich alles dabei.

Auf die Melodie von „Don´t worry, be happy“ wurde in der zweiten Halbzeit recht lange gesungen, mit der enthaltenen Textzeile „Wir sind der Verein!“. Mag für einige arrogant klingen, ist aber die Wahrheit. Die Fans sind das Herzstück des Vereins. Die Fans sind auch noch da, sollte es eine Liga tiefer gehen. Die Spieler auf dem Rasen hingegen (zumindest der Großteil) stehen bei unserem Verein unter Vertrag, würden sich bei einem tollen finanziellen Angebot aber direkt aus dem Staub machen und gehen mit diesem Verein eben nicht über Jahre und Jahrzehnte durch dick und dünn.


Das Spiel im Video

Retter Mehmet Kara?

Nach dem zum Ende des Spiels noch ein mal die Vereinshymne durch das Stadion schallte und sich selbst dann noch fast alle anwesenden Preußen-Fans am Support beteiligten, wurde es etwas kurios: Ein lautes „Mehmet Kara“ wurde vom Gästeblock gebrüllt. Diejenigen, die das angestimmt haben, werden es mit Sicherheit als Spaß gemeint haben, andere, die mit eingestimmt sind, werden es vielleicht auch ernst gemeint haben. Aber um es noch mal klarzustellen: Kara wäre selbstverständlich keine Verstärkung für das Team. Dafür muss man sich nur ein Spiel der zweiten Mannschaft ansehen, zudem soll es in der Vergangenheit ja auch schon vorgekommen sein, dass Kara nicht gut für das Mannschaftsgefüge war. Und zumindest das scheint ja bei der aktuellen Mannschaft intakt zu sein, vielleicht wird ja der Zusammenhalt in der Mannschaft unser großes Plus im Abstiegskampf?

Realität heißt Abstiegskampf!

Abstiegskampf ist genau das Stichwort, denn genau darin befinden wir uns. Mit so einer Leistung wird es in der nächsten Saison keinen Drittligafußball in Münster geben. Das darf nur ein Ausrutscher gewesen sein. Und zu den teilweise schon aufkommenden Spekulationen um Benno Möhlmann möchte ich auch noch kurz meinen Senf dazu geben: Aus meiner Sicht macht es überhaupt keinen Sinn, jetzt über den Trainer nachzudenken. Die Mannschaft hat es in Wiesbaden vergeigt. Zudem ist Benno Möhlmann in einem Abstiegskampf durchaus in der Lage, eine Mannschaft richtig einzustellen und die richtigen Worte zu finden. Auch wenn davon in Wiesbaden nichts zu sehen war.

Nach vorne schauen ist die Devise, und es muss endlich allen klar werden, dass die Realität Abstiegskampf ist. Das muss der Mannschaft, der Vereinsführung und dem Trainerteam klar sein. Und dann muss gekämpft werden. Bis zum Umfallen!

Niemals Aufgeben!

Daten zum  Spiel

SCP: Körber – Tritz, Kittner, Mai, Menig – Wiebe – Hoffmann (Rühle, 46.), Braun (Al-Hazaimeh, 46.), Rizzi, Kobylanski – Grimaldi (Stoll 82)
SVWW:
 Kolke – Mrowca, Mockenhaupt (Dams, 46.), Ruprecht, Mintzel – Andrist Mvibudulu (75.), Kuhn, Andrich (Blacha, 62.), Diawusi – Breitkreuz, Schäffler

Tore: 1:0 Schäffler (4.) 2:0 Schäffler (15.) 3:0 Breitkreuz (26.) 3:1 Kobylanski (40.) 4:1 Andrist (42.) 5:1 Dams (68.) 5:2 Kobylanski (78.) 6:2 Schäffler (80.)

Gelbe Karten: Andrich, Mintzel, Ruprecht, Mvidibulu / Hoffmann, Rühle

Zuschauer: 2.434

Schiedsrichter: Asmir Osmanagic

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