Wundertüte SCP – Der neue Kader unter der Lupe

Wenn der SC Preußen an diesem Freitag in die neue Spielzeit der 3. Liga startet, werden sich die Fans, die die Vorbereitung bisher gemieden haben, an viele neue Gesichter gewöhnen müssen. Ein ordentlicher Kaderumbruch stand im Sommer auf dem Programm. 15 Spieler verließen den Verein, derer zwölf schlossen sich dem SC Preußen an. Eine ordentliche Fluktuation –  mal wieder möchte man meinen. Denn das letzte Jahr, in dem man mit Adriano Grimaldi lediglich einen Leistungsträger verlor, war schon fast eine Ausnahme in den nun mehr acht Jahren 3. Liga der Preußen.

Ordentlicher Substanzverlust

Am meisten schmerzen wohl die Abgänge von Fabian Menig, René Klingenburg und die Eigengewächse Cyrill Akono und Lion Schweers. Auch Martin Kobylanski natürlich. Letztlich tauchte er jedoch in vielen Spielen auch einfach ab, während sich Klingenburg und Menig in vielen Partien, auch wenn das Spiel schon entschieden war, in die Zweikämpfe warfen und somit als echte Mentalitätsspieler galten.

Weiteres Stammpersonal in Form von Tobias Rühle, Sandrino Braun oder auch Moritz Heinrich musste Sportdirektor Malte Metzelder ebenso ersetzen, wie die größtenteils Ergänzungsspieler um Philipp Müller, Dominik Lanius, Julian Conze, Tobias Warschewski und Adrian Knüver. Dem Preußen-Herz leichte Schmerzen verursachten die Abgänge von Benny Schwarz und Danilo Wiebe. Schwarz kehrte aus gesundheitlichen Gründen offenbar dem Profi-Fußball komplett den Rücken. Danilo Wiebe konnte aus gesundheitlichen Gründen lediglich zwei Partien als Einwechselspieler absolvieren.

Neben den Spielern verließ auch Marco Antwerpen den Verein auf eigenen Wunsch. Noch steht er bei keinem Verein unter Vertrag. Die Hoffnung auf eine Stelle nach der erste Trainerentlassungswelle in Liga 2 und 3 schwingt dort wohl mit.

Volle Kraft Voraus

Doch genug der Vergangenheit. Der neue SC Preußen ist eine hoch spannende Konstellation mit gewaltigem Potenzial. Die Frage ist lediglich: Wie sehr kann diese junge Truppe im Haifischbecken 3. Liga bestehen? Und was kann der neue Trainer Sven Hübscher aus dem SCP zaubern?

Zum Trainingsauftakt mit anschließender Mitglieder-Saisoneröffnung konnte man mit den ersten Neuzugängen bereits auf Tuchfühlung gehen. Insgesamt war dies (Danke an den Verein und die Organisatoren der Geschäftsstelle) eine gelungene Veranstaltung und es wurde klar, dass dort eine neue Mannschaft mit vielen sympathischen Charakteren heranwächst.

Torhüter-Trio unverändert

Im Tor gab es keine Änderungen. Die Reihenfolge bleibt auch unter Antwerpen-Nachfolger Hübscher gleich – schließlich blieb Milenko Gilic dem Verein erhalten. Maximilian Schulze Niehues bleibt Stammkeeper der Adlerträger. Oliver Schnitzler, zwischenzeitlich mit Wechselgedanken abgeschweift, bleibt Herausforderer und eine starke Nummer zwei. Marian Prinz erhielt in der Vorbereitung schon mehr Spielzeit als im letzten Jahr, bleibt allerdings die Nummer drei und wird nur in den Kader rutschen, sofern man einen weiteren Spieler für die U23-Regel (Vier Spiele unter 23 Jahren, die für eine deutsche U-Nationalmannschaft spielberechtigt sind) benötigt.

Ordentlich Erfahrung und einer neuer Capitano

Die Verteidigung steht nach der Vorbereitung wohl auch fest und hat sich nur auf der Position des Rechtsverteidigers geändert. Ugur Tezel bleibt, wie schon in der letzten Saison, in der Rolle des Back-Ups. Denn Stammkraft Fabian Menig wechselte nach Österreich und wurde mit massig Erfahrung in Person von Julian Schauerte ersetzt. Dieser wurde in Belgien beim KAS Eupen nie wirklich glücklich und kehrte zurück nach Deutschland. Von einer großen Überraschung konnte man nach Absolvieren der Vorbereitung nicht mehr sprechen, dennoch war es mit Sicherheit nicht zu erwarten, dass Schauerte direkt zum Kapitän der Adlerträger ernannt wurde.

Ein Neuzugang übernimmt die Binde von einem gestandenen Preußen-Spieler? Da war doch mal was. Richtig. Zuletzt versuchte dies Horst Steffen, indem er Michele Rizzi die Binde aufbürdete und Amaury Bischoff degradierte. Da der bisherige Kapitän Simon Scherder jedoch ein ganz anderer Typ ist, muss keinem Bange sein, dass es zu einer erneuten Eskalation kommt. Zusammen mit Ole Kittner bleibt er Stellvertreter für das Kapitänsamt. Den Mannschaftsrat ergänzen zudem Schulze Niehues und Neuzugang Maurice Litka.

Neben den beiden Vize-Kapitänen stehen in der Innenverteidigung zwei Jungspunde bereit. Jannik Borgmann verlängerte seinen Vertrag im Frühjahr bis 2022, Okan Erdogan kam aus der Regionalliga Nord aus Oldenburg zum SCP und war der erste externe Neuzugang für diese Spielzeit. Während Borgmann zuletzt mit kleineren Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, zeigte Erdogan eine durchaus ansprechende Vorbereitung. Der gelernte Sechser wusste insbesondere im Spielaufbau zu überzeugen. Gelingt es ihm sich zeitnah an das Tempo der 3. Liga zu gewöhnen, ist durchaus das Potenzial vorhanden, den Stammspielern Konkurrenz zu machen.

Links hinten gab es in der Vorbereitung kein Vorbeikommen an Niklas Heidemann. Er war der Dauerbrenner und wusste auch mit seiner Dynamik, Wucht und Schnelligkeit zu gefallen. Die einzige noch offene Position im Kader ist ein Back-Up für den ehemaligen Wuppertaler. Loris Deiters, der in der Winterpause aus der Jugend von Twente Enschede an die Hammer Straße wechselte, durfte in den ersten Wochen bei den Profis mittrainieren, ist jedoch für die Oberliga-Reserve eingeplant und verletzte sich darüber hinaus noch. Es wird, so kommunizierten es Hübscher und Metzelder zuletzt immer wieder, ein Herausforderer für Heidemann gesucht. Einen Schauerte 2.0 für die linke Seite sollten die Fans also nicht erwarten. Wohlmöglich fällt im erweiterten Kader der Erst- und Zweitligisten gegen Ende der Vorbereitung ein U23 Spieler aus dem Kader und könnte die Preußen somit verstärken.

Mit Schulze Niehues, Kittner und Scherder steht der Mittelblock also. Auch die Außenpositionen sind mit Schauerte und Heidemann gut besetzt. Problematisch könnte lediglich das Tempo-Defizit in der Innenverteidigung werden. Im Testspiel gegen den BVB II waren die pfeilschnellen Borussen den Preußen-Haudegen phasenweise enteilt. Allgemein sollte sich die Eingespieltheit der Hintermannschaft jedoch als Pluspunkt erweisen. Anders sieht dies im Mittelfeld aus.

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