Auswärts ohne Autobahn

2019/2020 - Spielbericht - Hammer SpVg - SC Preußen Münster II - 2:2
2019/2020 - Spielbericht - Hammer SpVg - SC Preußen Münster II - 2:2

Sonntagmittag, der Kater vom Vorabend oder der Sonntagsbraten beschäftigen den Magen. Jetzt wäre doch ein wenig Bewegung gut und vielleicht ein bis drölf Kaltgetränke zum Kontern. Wie gut, dass die U23 unserer Preußen am Sonntag eine solche willkommene Abwechslung bot. Erster Spieltag in der Oberliga Westfalen in Hamm gegen die dortige Hammer Spielvereinigung (HSV). Also ab ins Auto, einfach 35 Minuten die Hammer Straße runter und schon war man da.

Erster Eindruck: „Sind wir hier wirklich richtig?“ Rechts ein Spaßbad, links ein Friedhof und geradeaus das Jahnstadion. „Ist das doch der falsche Platz?“ Schließlich hört das HSV-Stadion auf den wenig hübschen Namen „24nexx-Arena“ und das ist bis jetzt noch nicht in Sicht. Dann aber erscheint hinter ein paar Bäumen plötzlich doch eine größere Tribünenkonstruktion und das Wappen der HSV ist zu sehen. Puh, doch nicht verfahren.

Wo müssen wir hin?

Nächstes Hindernis: Wo geht’s denn zum Gästeblock? Gibt es überhaupt einen? Nach den Bauzaun-Abenteuerlichkeiten in Reken ist man innerlich auf alles gefasst. Doch hier greift eine alte Drittliga-Regel: Der Gästeblock ist da, wo die Polizei steht. So viel vorweg: Die handgezählten acht Staatsdiener stehen sich das ganze Spiel die Beine in den Bauch und schauen vor allem Fußball. Aus der vergitterten Gästekasse werden die Tickets gereicht: Acht Euro normal und vier Euro ermäßigt für einen Stehplatz, Mobilfunk… äh… Sitzplatz deutlich teurer. Obwohl 12 Euro für einen Sitzplatz auch noch relativ fair klingen.

Der Gästeblock selbst macht einen neuwertigen Eindruck und bildet eine Hintertor-Ecke der „Werbung-für-Beautyprodukte-Arena“. Ein paar Stufen, drei Wellenbrecher und die wohl inzwischen üblichen 2,50-Meter-Eisenzäune runden das Gesamtbild ab. Toiletten („Ruhrpottbarock“) sind vorhanden, allerdings keine sonstige Versorgung.

Bratwurst und Bier befinden sich zunächst unerreichbar hinter zwei Zäunen im Heimbereich. Es ist zu hören, das man noch auf „die vier Schlimmen aus Hamm“ warten würde und die Tore im Zaun deshalb nur auf Anfrage geöffnet werden. Anscheinend tauchen die Herrschaften nicht auf, denn kurz nach Anpfiff werden die Tore geöffnet. Die durstige und hungrige Preußen-Masse strömt in Richtung Tränke und Trog. 2,50 Euro für Pils und Softgetränke locken!

Bock auf Oberliga – bei der U23

Wobei man Masse relativieren muss: Um die 50 Preußen haben sich auf den Weg zum Oberliga-Auftakt gemacht. Bei insgesamt 410 Zuschauern fällt das aber schon ins Gewicht und ist ein kleines Statement: Die Fans haben Bock auf die U23! Koordinierten Support gibt es nicht und die Unterstützung der Mannschaft beschränkt sich auf gelegentliche „Preußen“-Rufe. Auch der Fanport zeigt Präsenz. Insgesamt ist eine bunte Mischung aus Gegengerade und Ostkurve am Start.

Nachdem die Versorgung geklärt und die Anwesenheitsliste abgehakt ist, kann man sich mal ein wenig umschauen. Die Haupttribüne des HSV-Stadion ist ein ganz schöner Trümmer und passt natürlich nicht so richtig zum Rest. Die Bestuhlung der Tribüne ist in den Vereinsfarben Rot und weiß gehalten und vollständig überdacht. Kurioserweise befindet sich der nicht genutzte Spielertunnel einige Meter von der Mittellinie entfernt, sodass auch die Trainerbänke ein wenig versetzt stehen. Etwas schief, aber 1,2 Millionen Euro hat der Bau trotzdem gekostet. Pläne für ein drittligataugliches Stadion liegen übrigens nach Angaben der HSV in der Schublade. Auch eine Anzeigetafel ist vorhanden, die allerdings während des Spiels nicht in Betrieb ist.

Gute erste Halbzeit

Jetzt endlich zum Spiel: Nach einer kurzen Druckphase der Hammer zu Beginn kommen unsere Jungs richtig gut rein: Es gibt nach 13 Minuten Elfmeter für den SCP. Nils Burchardt tritt an, verlädt den Torwart und setzt den Ball ins linke Eck. Hamm macht danach einen konsternierten Eindruck und kommt lediglich zu zwei Chancen: Ein versuchter Heber aus der Ferne und ein wuchtiger Schuss. Marian Prinz erweist sich hier als starker Rückhalt. Sonst spielt fast nur der SCP. Immer wieder geht es für die Hammer Defensive ein bisschen zu schnell.

Besonders auffällig bei den Preußen ist in der ersten Halbzeit der pfeilschnelle Ousman Touray, der sich in der 37. Minute für seine Leistung belohnt. Eine leicht abgefälschte Flanke von der rechten Seite nimmt Touray per Volley direkt. Wieder beult sich das Netz des Hammer Gehäuses und die Masse im Gästeblock spendet freundlichen Applaus. Liebe Oberliga, die Preußen sind gekommen, um zu bleiben! Mit dem 2:0 geht es in die Pause.

Defensive zweite Halbzeit

Die bis in den Gästeblock hörbare Unzufriedenheit des Heimtrainers über die Leistung seines Teams muss in der Halbzeit zu einer wirksamen Pausen-Ansprache geführt haben. Die Hammer legen direkt los und gehen deutlich aggressiver auf die ballführenden Spieler. Nach nicht einmal einer Minute wird das belohnt. Sinan Özkara erzielt aus abseitsverdächtiger Position (Habe ich mit meiner Preußenbrille genau gesehen) den Anschlusstreffer. Jubel auf Haupttribüne, die Tormusik ist zu erahnen. Wen der Stadionsprecher anschließend als Torschützen verkündet, ist im Gästeblock nicht zu verstehen. Die Boxen sind einfach zu leise.

Es folgen 20 Minuten Dauerdruck der Hammer, aus dem sich die Jungadler nur langsam befreien können. Marian Prinz erweist sich ein ums andere Mal als starker Rückhalt und hält den Sieg fest. Ab Minute 65 kommt der SCP zu Entlastungsangriffen und kann die Defensive der HSV beschäftigen. Erst in den letzten Minuten erhöht Hamm wieder den Druck. Und prompt fällt der Ausgleich: Flanke von der rechten Seite und in der Mitte steht Ali Gülcan genau richtig: Keine Chance für Prinz.

Dass es am Ende nicht noch ohne Punkte zurück nach Münster geht, liegt dann einmal mehr an Marian Prinz. Einen wuchtigen Schuss kann er in der 92. Minute mit den Fingerspitzen noch an die Latte lenken, die anschließende Ecke bleibt ohne Folgen. Danach der Abpfiff. Trainer Weinfurtner bittet seine Jungs zum Kreis und schickt sie dann Richtung Kabine.

U23 hat Unterstützung verdient

Sie haben die Torauslinie fast erreicht, als sie merken: „Oha, da hinten in der Ecke sind ja noch ein paar Fans!“ Schnell wird Richtung Gästeblock abgebogen und der verdiente Applaus von den Fans abgeholt. Ein bisschen improvisiert, aber trotzdem ganz nett. Das sollten Fans und Team beim nächsten Spiel aber vielleicht doch noch einmal üben. Gelegenheit dazu gibt es nächsten Sonntag: Da spielt die U23 um 15 Uhr im Preußenstadion ihren Heimspiel-Auftakt gegen die Sportfreunde Siegen. Wer es also Samstag nicht nach Würzburg schafft, kann Sonntag eine Dosis Preußen nachholen. Die Jungs spielen guten Fußball, es lohnt sich!

Zum Schluss noch ein kleines Lob an die entspannten Ordner der Hammer Spielvereinigung: Nach Abpfiff halfen sie den mitgereisten Preußen beim Abhängen der Fahnen und ließen sie vor dem Spiel sogar im Innenraum Fotos machen. Wie sagt man neuerdings so schön? Ehrenordner!


Daten zum Spiel

Aufstellung SCP U23: Prinz – Mause, Frenkert, Burchardt, Klann – Ströker (58. Klauke), Remberg – Hölscher, Wald, Touray (66. Wegmann) – Kerellaj (84. Özmen)
Hammer SpVg: Frederic Westergerling, Alan Bezhaev, Ali Gülcan, David Loheider, Ismail Jcen (79. Dogan), Jan Apolinarski, Mergim Deljiu (75. Murat Yildirim) , Niklas Sewing, Nils Kisker, Patrick Franke, Sinan Özkara

Tore: 0:1 Burchardt (FE, 13.), 0:2 Touray (37.), 1:2 Özkara (46.), 2:2 Gülcan (85.)

Zuschauer: 410 (50 Preußen +/-)

Wie gut hat Dir der Artikel gefallen?

[Anzahl Stimmen: 17 Durchschnittliche Bewertung: 5]

2 Antworten

  1. Jan Meininghaus sagt:

    Die Anzeigetafel ist übrigens die alte aus dem Preußenstadion

  2. Sven sagt:

    Danke für die Info :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

P