Trainer raus? Schluss mit blindem Aktionismus

2019/2020 - Der Heim-Blog -

Es ist grundsätzlich eine der ersten Reaktionen, die bei Misserfolgen von Fans erfolgt: „Trainer raus!“. Auch beim SC Preußen läuft es derzeit sportlich alles andere als rund. Acht Spiele, magere acht Punkte. Punktgleich mit dem ersten Abstiegsplatz. Rosige Zeiten sehen anders aus und so machte auch am Wochenende nach der 2:3-Pleite gegen Viktoria Köln über diverse Kanäle (WhatsApp Gruppen, Facebook, im Block) die obligatorische Phrase des Trainerrauswurfs die Runde.

Oftmals ist dies vielleicht auch begründet. Ein Verein hat während der laufenden Spielzeit wenig Möglichkeiten frische Impulse zu setzen. Der Trainer ist oftmals „die ärmste Sau“ oder das schwächste Glied in einer langen Kette von Fehlentscheidungen.

Dennoch: nach dem letzten Spiel die Entlassung von Sven Hübscher zu fordern, ist offen gesagt nicht mehr als die pure Forderung nach blindem Aktionismus oder rein populistisch, ohne sich tiefer gehend mit der Thematik zu beschäftigen. Diese Meinung mag jetzt in Fankreisen unpopulär klingen, doch es ist nur fair, sich auch mal in die andere Seite hineinzuversetzen.

Vor der Saison wurde kommuniziert, dass man eine junge Mannschaft zusammengestellt habe, der man die Zeit zur Entwicklung geben würde. Nun sollte man dem Trainer auch etwas mehr Zeit als knapp dreieinhalb Monate geben. Ein perfekter Trainer, der jedes Mal mit seinen Entscheidungen richtig liegt, ist sehr selten und auch von Glück begleitet. Christian Titz, ehemaliger Bundesliga-Trainer beim Hamburger SV und nun in der Regionalliga bei Rot-Weiss Essen tätig, hat das sogenannte „goldene Händchen“ derzeit, wechselte er doch in fünf der sieben bisher absolvierten Spiele anschließende Torschützen, sowie Siegtorschützen ein.

Doch auch er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein höheres monatliches Salär bekommen, als Sven Hübscher es in Münster tut. Denn der SC Preußen ist leider bei weitem nicht mehr so attraktiv, wie vor ein paar Jahren noch, insbesondere mit Blick auf die Finanzen. Den Super-Trainer wird man also nicht bekommen – vielleicht muss man ihn auch entwickeln?

Warum also nun dieser Kommentar?

Hübscher hat Fehler gemacht. Das ist Fakt. Das hat Marco Antwerpen auch schon vor ihm gemacht, nur hatte er da schon ein gutes Polster an Punkten aufgebaut. Nun erscheint dies jedoch weitaus dramatischer. Die unerklärliche Passivität bei einer angeschlagenen Rostocker Kogge, das Aus in Rödinghausen. Inklusive der Entscheidung Heinz Mörschel den fünften Elfmeter schießen zu lassen, obwohl dieser bereits in den Spielen teilweise durch enorme Lässigkeit auffällt und dies auch beim Elfmeter zeigte.

Aber nach der erneuten Pleite gegen Köln werden jetzt die Rufe lauter. Nur warum? Glaubt jemand, allen Ernstes, dass Hübscher seinen Spielern Erdogan oder Mörschel auf den Weg gab: „Wenn die Rückpässe zum Torwart stattdessen beim Gegner landen, kann das passieren. Alles halb so wild!“ oder zu Max Schulze Niehues raunte: „Ach die kurze Ecke…kein Stress, wenn da mal ein Ball von knapp der Grundlinie durch die Arme flattert.“.

Zugegeben: Das war nun ein wenig polemisch. Aber alles in allem soll es verdeutlichen: Die Niederlage am Wochenende entstand nicht durch Coaching-Fehler, sondern durch haarsträubend individuelle Patzer. Und auch die Jungs, denen die Fehler unterlaufen sind, haben das mit Sicherheit nicht absichtlich gemacht. Dennoch werden auch sie gut dafür bezahlt, das so etwas nicht passieren sollte.

Die Mannschaft lebt aber und hat sich nach dem 0:3-Rückstand noch einmal aufgerappelt. Die Tore zum 1:3 und 2:3 kamen leider zu spät. Zuvor trafen noch Luca Schnellbacher und Rufat Dadashov Aluminium. Mit dem Glück von ein paar mehr Zentimetern in die richtige Richtung, hätte man das Spiel trotz der Fehler eventuell gewonnen und man hätte davon gesprochen, wie man dem bisher bärenstarken Aufsteiger die erste Auswärtsniederlage zugefügt hätte.

So bleibt nur die Tristesse, denn die Aussichten sind alles andere als gut für die kommende Partie, geht es doch gegen den Spitzenreiter aus Halle. Dort muss die Mannschaft eine andere Mentalität zeigen, als in den bisherigen Auswärtsspielen. Diese der Mannschaft einzuimpfen, ist auch Trainersache.

Aber nach der Partie am Wochenende den Trainer-Rauswurf zu fordern ist einfach nur billig und wird den Problemen nicht gerecht.

Alle zusammen für Preußen Münster!

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1 Antwort

  1. Olaf Heitwerth sagt:

    Ja, ist schon richtig. Blinder Aktionismus hilft hier auch nicht weiter. Jetzt heißt es halt Ruhe bewahren und sich in Geduld üben. Die Mannschaft lebt, das hat sie im Spiel gegen Köln gezeigt….Richtig bitter ist aber das Aus im Pokal gegen Rödinghausen. Auch wenn die in der Regionalliga oben mitspielen, da muss ein gestandener Verein wie unser SCP echt Flagge zeigen und so ein wichtiges Spiel gewinnen! Nur über den DFB Pokal, in ein Spiel gegen einen „großen“ Gegner, kann man auch mal ein bisschen Kasse machen und somit vielleicht auch mal wieder von größeren Zielen träumen! Also, auf gehts Preußen, kämpfen und siegen! Auf drei Punkte in Halle ⚽️⚽️⚽️

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